Sei die Chefin in deinem System

Mental | 14. Februar 2024

Step by Step! 

Der erste bedeutende Schritt in meiner geistigen Entwicklung war zweifellos das Bewusstwerden der inneren Stimme in meinem Kopf. Diese tauchte vergleichsweise spät in meinem Leben auf, erst als ich bereits das 20. Lebensjahr hinter mir hatte. Es war eine klare Stimme, die Gedanken formulierte und die Welt kommentierte.

Natürlich hatte ich zuvor auch schon gedacht, vermutlich sogar recht intensiv. Mein Verstand war trainiert und führte mich erfolgreich durch das Abitur und mein Studium. Doch die Gedanken waren zuvor irgendwie diffus. Sie formten ein unbestimmtes Gemisch, nichts davon war wirklich greifbar.

Diese eine Stimme war anders. Sie war nicht zu überhören. Sie wurde zu einer wirklichen Leitstimme. Es bereitete mir Freude, ihr freien Lauf zu lassen und einfach zu lauschen, welche Gedanken aufstiegen und wieder vergingen.

Bei diesen Beobachtungen kristallisierte sich meine zweite Erkenntnis heraus. Ich erkannte, dass es in mir sowohl eine Denkerin als auch eine Beobachterin gab. Es gab also eine Instanz in mir, die über meine reinen Gedanken hinausging.

Die Entdeckung des Bewusstseins

Stell dir die Schlüsselfrage

Bei diesen Beobachtungen wurde mir bewusst, was ich alles so vor mich hin dachte. Es war ein bunter Mix – Wiederholungen vergangener Situationen, Sorgen, Pläne, sinnlose Bewertungen von allem Möglichen und ein unkontrolliertes Springen von einem Thema zum nächsten. Besonders prominent waren das endlose Grübeln über missglückte Gespräche und das Ausmalen von Katastrophen und Schreckensszenarien, die mich in der Zukunft bestimmt ereilen würden.

Es dauerte nicht lange, bis ich mir die Schlüsselfrage stellte. Will ich das überhaupt denken?

Die Antwort darauf war oft ein klares Nein. Also begann ich bewusst in mein Gedankenkarussell einzugreifen und den Fluss meiner Gedanken zu steuern. Von nun an lenkte ich meine innere Stimme auf Themen, die entweder angenehm waren oder konkret Probleme lösten. Das war ein wirklich großartiger Meilenstein.

Ich bin die Chefin in meinem Kopf

Unausgeschlafen zu neuen Erkenntnissen

Gedanken erzeugen Gefühle - Gefühle sind im Körper spürbar

Die dritte Erkenntnis traf mich eines Nachts. Meine Tochter weckte mich, um sie zur Toilette zu begleiten. Als ich zurück im Bett war, versuchte ich so schnell wie möglich wieder einzuschlafen. Vor mir lag ein langer und anstrengender Tag, und ich brauchte meinen Schlaf dringend. Also lag ich da und sehnte mich nach dem Schlaf. Nach vielen Bemühungen spürte ich endlich die wohltuende Schwere in mir. Der Schlaf war zum Greifen nah.

Doch plötzlich tauchte ein Gedanke auf – Ich darf morgen nicht vergessen, die wichtige E-Mail zu senden!!!

Ein Schwall Adrenalin durchströmte daraufhin meinen Körper, und die Schwere des Schlafs war weg. Dieser Tag wurde tatsächlich anstrengend, und das Gähnen ein steter Begleiter. Aber es brachte auch eine wunderbare Erkenntnis mit sich.

Meine Gedanken erzeugen Gefühle

Jedes Gefühl hat eine körperliche Dimension

Das war ein wahrer Augenöffner für mich. Während ich mich über viele Jahre hinweg unkontrolliert meinen Sorgen hingab, verstärkten sie die entsprechenden Ängste in mir, und diese wiederum lösten den passenden biochemischen Cocktail in meinem Körper aus. Und dann wunderte ich mich, warum ich weniger glücklich war, als ich das gerne wäre.

Der Beginn dieser negativen Kettenreaktion von Stimmungstiefen bis hin zu körperlichem Unwohlsein waren also meine eigenen Gedanken. Das war mehr als ein Ansporn, darauf zu achten, was man denkt!

Mit etwas Übung gelang es mir, den Anteil der kontraproduktiven Gedanken zu reduzieren. Das war der Teil, den ich relativ einfach kontrollieren konnte. Doch es gab auch die Außenwelt, die unaufhörlich Situationen lieferte, die in mir teils heftige Gefühle auslösten. Ich wurde getriggert, bevor ich überhaupt richtig denken konnte. Die Gefühle waren eine direkte Reaktion auf jemanden oder etwas im Außen.

Das Monster hinter der Kellertür

Als Kopfmensch tat ich mich mit Gefühlen schwerer. Doch durchs Yoga gelang es mir immer besser, die Gefühle in meinem Körper zu lokalisieren. Erstaunlich viele von ihnen erzeugten Enge in meiner Brust. Dabei konnte ich zwei gängige Reaktionen beobachten.

Entweder tauchte ich vollständig in das Gefühl ein. Ich versank regelrecht in meiner Wut und spielte in meinem eigenen Kopfkino Szenarien durch, in denen ich die Welt kurz und klein schlug. Ebenso beliebt waren die Vorstellungen des Selbstmitleids, in denen die Welt erkennen sollte, welch eine Ungerechtigkeit sie mir zufügte. In solchen Momenten bauschte ich das Gefühl regelrecht auf und verharrte oft tagelang in dieser Stimmung.

Die andere Reaktion betraf vor allem die wirklich unangenehmen Gefühle. Diese mussten einfach weg, sofort. Also unterdrückte ich sie. Die Trauer um den Tod meines Vaters war ein solcher Schmerz, den ich im Keim erstickte und lange Zeit unter keinen Umständen zulassen wollte.

Nun, es wie mit dem Dreck unter dem Teppich. Der ist nicht weg, auch wenn man ihn nicht sieht. So waren die unterdrückten Gefühle auch in mir noch da und meldeten sich immer wieder. Dann polterten sie gegen die Kellertür und wollten heraus.

Das war ganz schön anstrengen, die Kellertür immer zuhalten zu müssen.

Echte Freiheit

Eines Tages war ich bereit, die Trauer zuzulassen. Ich öffnete die Kellertür, und das Gefühl strömte heraus. Tränen flossen, und es tat weh. Diese Tränen waren aber reinigend und spülten vieles mit sich. Danach fühlte ich mich so viel leichter und musste nie wieder die Kellertür geschlossen halten, um das Gefühl zu vermeiden. Das war eine enorme Erkenntnis. Gefühle anzunehmen ist besser (und leichter) als sie zu unterdrücken.

Dabei lernte ich jedoch noch etwas viel Entscheidenderes – was echte Freiheit bedeutet. Ich habe keine Kontrolle über die entstehenden Gefühle, aber ich kann immer entscheiden, wie ich darauf reagiere. Ich und nur ich entscheide, ob ich mich dem Gefühl völlig hingebe, ob ich es unterdrücke oder ob ich es zulasse und damit wieder gehen lasse.

Zusammengefasst kann ich all die Erkenntnisse in eine Überschrift packen:

Ich bin die Chefin in meinem System

Eine sehr kraftvolle Erkenntnis voller Selbstermächtigung. Raus aus der Opferrolle. Das Leben passiert mir nicht einfach – ich bin ein aktiver Teil meines Lebens. Ich verkörpere das Leben.

Bin am Ende der Reise? Ganz sicher nicht. Es werden noch viele kleine und große Erkenntnisse folgen. Auf jede davon freue ich mich!

Und das wünsche ich dir vom ganzen Herzen, dass auch du die Chefin oder der Chef in deinem eigenen Leben wirst.

Deine Olga

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