Der Blick von außen

Mental | 20. Juli 2025

Warum wir uns manchmal selbst im Weg stehen

Neulich hatte ich einen Aerial-Kurs, bei dem auch meine Tochter dabei war. Es waren Ferien, und sie wollte mal wieder mit ins Studio kommen. Während meine Yogis gemeinsam mit mir Asanas praktizierten, ihre Körper dehnten und öffneten, schwang meine 9-jährige Tochter vergnügt im Tuch. Ganz in ihrer eigenen Welt, entdeckte sie mit kindlicher Neugier die Möglichkeiten der Bewegung – Rollen, Kopfüberhaltungen, kleine akrobatische Einlagen. Bis plötzlich ein leiser Hilferuf kam: Sie hatte sich im Tuch verheddert und kam allein nicht mehr heraus.

Von außen war die Lösung schnell sichtbar. Wenn sie einfach ihre rechte Schulter befreien würde, würde sich die Schlinge lösen – ganz unkompliziert, einfach und befreiend. Ein kleiner Hinweis, ein kurzer Handgriff – und sie war wieder frei. Bereit für neue Erfahrungen.

Eine meiner Yogis meinte daraufhin: „Wie hilfreich doch der Blick von außen ist.“
Und dieser Satz hat mich zu diesem Text inspiriert.

Wie im Tuch, so im Leben

Verheddert – nicht nur im Tuch

Wie oft verheddern wir uns im Leben genau wie meine Tochter im Tuch? In unseren Gedanken, Sorgen, Problemen – und plötzlich sehen wir keinen Ausweg mehr. Dabei wäre der Weg hinaus vielleicht ganz einfach. Was fehlt, ist der Blick von außen. Ein neuer Blickwinkel, eine andere Perspektive – frei von unserer eigenen emotionalen Verstrickung.

Ein solcher Blick kann von einem anderen Menschen kommen: ein tiefes Gespräch mit einer Freundin, ein Coaching, oder – wenn nötig – eine therapeutische Begleitung. Oft reicht schon ein kleiner Impuls von außen, um zu erkennen, wie wir uns selbst wieder befreien können. Denn von außen ist es viel leichter, die Lösung zu sehen. Warum? Weil man nicht selbst in der Situation steckt. Weil man nicht selbst verheddert ist.

Du bist nicht dein Problem

Raus aus der Identifikation

Einstein wusste in seiner Weisheit bereits, dass wir Probleme niemals mit der gleichen Denkweise lösen können, durch die sie entstanden sind.

Was wir brauchen, sind also ein paar frische Gedanken im Kopf, die uns erlauben ein Problem anders zu sehen und zu verstehen.

Hier ein paar Vorschläge meinerseits, wie dir das gelingen kann.

Die größte Hürde ist meist nicht das Problem selbst, sondern die Identifikation mit ihm. Wir verschmelzen regelrecht mit unseren Herausforderungen und verlieren dadurch den Überblick. Dabei bist du nicht dein Problem. Du hast gerade ein Problem, ja – aber du bist etwas viel Größeres, Weiseres, Lichtvolleres. Diese Erkenntnis schafft schon etwas Abstand. Und mit Abstand kommt oft Klarheit.


Werde Beobachter

Neutralität bringt Freiheit

Ein weiterer kraftvoller Perspektivwechsel ist die Haltung des wertfreien Beobachters. Jede Situation im Leben ist zunächst neutral – eine Erfahrung, nicht mehr und nicht weniger. Erst durch unsere Bewertung wird sie zu einem „Problem“. Das bedeutet: Du selbst klebst das Etikett „Problem“ auf eine Erfahrung. Und jemand anderes würde vielleicht dasselbe Erlebnis als Chance sehen.

Ich erinnere mich an zwei Arbeitskollegen, die denselben Auftrag erhielten: eine Präsentation vor großem Publikum. Für den einen ein Albtraum – schlaflose Nächte, Angst vor dem Auftritt. Für den anderen die Gelegenheit seines Lebens: Endlich sichtbar werden, endlich zeigen, was in ihm steckt. Gleiche Situation, komplett unterschiedliche Wahrnehmung.


Angst als Wegweiser

Vielleicht denkst du jetzt: „Aber ich kann ja nichts dafür, wenn ich Angst habe.“ Doch – du kannst etwas verändern. Der Schlüssel liegt in der Entscheidung, deine Perspektive zu wechseln. Frag dich: Was will mir diese Situation zeigen?

Ich lade dich ein, dir eine neue Realität in deinem Leben zu erlauben:
Das Leben ist für dich. Immer.

Nenne es, wie du möchtest – Schicksal, Universum, Seele, Gott – in dir gibt es eine höhere Intelligenz, die möchte, dass du dich entwickelst. Sie zeigt dir über deine Herausforderungen, was du in dir tragen darfst, heilen darfst, entfalten darfst.

Der Kollege mit der Präsentationsangst erkannte irgendwann, dass es weniger um die Präsentation ging als um sein mangelndes Vertrauen – in sich selbst und ins Leben. Als er das erkannte, war die Präsentation nicht mehr das Problem. Stattdessen wurde sie zum Wegweiser. Und der erste Schritt war:
„Ich entscheide mich, mir selbst und dem Leben zu vertrauen.“

Sprich diesen Satz gern laut aus und spüre nach. Was macht das mit dir?

Wird dadurch alles sofort leicht? Vielleicht nicht. Aber es ist der Beginn – der erste Schritt auf der vielleicht wichtigsten Reise überhaupt: der Reise zu dir selbst.


Probleme als Wegweiser

Ich freue mich heute regelrecht, wenn etwas in mein Leben kommt, das nicht meinen Erwartungen entspricht. Früher hätte ich es als „Problem“ gesehen. Heute setze ich mir innerlich meine Detektivmütze auf und frage: Was möchte mir das Leben zeigen?

Manchmal finde ich die Antwort schnell, manchmal dauert es. Und wenn ich sie nicht gleich erkenne, vertraue ich darauf, dass das Leben mir eine weitere Gelegenheit geben wird, zu lernen, zu wachsen und mich weiterzuentwickeln.

Fazit: Etiketten hinterfragen, Chancen erkennen

Ich danke meiner Tochter – und auch der lieben Alena – für die Inspiration zu diesem Text. Vielleicht hilft er auch dir, in Zukunft weniger vorschnell „Problem“-Etiketten zu verteilen und stattdessen mehr in Chancen und Möglichkeiten zu denken.

Denn: Was du erkennst, wiederholt sich nicht. Und das bringt Leichtigkeit ins Leben.

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